Die Geschichte des Reiterverein Bayer Leverkusen

"Es waren einmal ein Baron und seine Baronin?", so oder ähnlich beginnen einige Märchen, wie wir sie in Büchern nachlesen können. Doch manchmal ist auch die Realität märchenhaft. So zum Beispiel die Geschichte des Reitervereins Bayer Leverkusen, der seine "Ur-Sprünge" in Posen hat.
Baron von Lüttwitz auf Babolna
Wie das?
Ein Ritt durch die Vereinsgeschichte gibt Aufschlüsse.
Nach dem Krieg flüchteten Baron und Baronin von Lüttwitz in einem großen Treck mit vielen Menschen, Wagen und mehr als 20 Pferden aus ihrer Heimat in den Westen. Die gesamte Organisation lag bei Baronin Edeltraut von Lüttwitz. Sie steuerte auf ihrem Fluchtweg ihr bekannte Güter und Freunde an, wo sie rasten und sich von den Strapazen des Weges erholen konnten. Bezahlt haben sie diese Gastfreundschaft mit ihren Pferden.
Auf diese Weise gelangten sie im Zick-Zack-Kurs bis an den Rhein mit lediglich nur noch zwei Pferden, die in der Oberleßnitz gezüchtete Fuchsstute "Babolna" und "Elfenkönigin; sie sollten die ersten Pferde des später gegründeten Bayer-Vereins werden.
Das erste Domizil des Vereins: Eine Schweinmastanstalt

 


In Leverkusen trafen die adligen Pferdeliebhaber auf ein achtköpfiges, privat organisiertes Reitergrüppchen, das in Bürrig in notdürftiger stallähnlicher Behausung ihre zwei Vierbeiner unterstellte und das des Öfteren über die Rheinwiesen ausritt.

Der Baron mit den Reitern der ersten Stunde
"Obwohl jeder von uns nach Kräften Futter für die Tiere beisteuerte, war bei den Vierbeinern Schmalhans Küchenmeister. Außerdem: Bei unseren Ausritten sahen wir uns oft mit der wenig reitenthusiastischen Dorfjugend konfrontiert, die so allerhand Schabernack mit uns trieb", weiß Gertrud Ehemann, Reiterin der ersten Stunde und Mitbegründerin des Vereins, aus den Zeiten Ende der 40er Jahre zu berichten. Dazu kamen die täglich größer werdenden wirtschaftlichen Nöte zum Unterhalt der Tiere. Also war klar: Ein Verein musste her. Die Schweinemastanstalt ? der erste Unterschlupf Schnell dachten die Initiatoren an die Unterstützung von Bayer. Indes: Das Unternehmen machte eine Zahl von 40 Mitgliedern zur Bedingung für eine Vereinsgründung unter der Bayer-Fahne. Die bis dato erst zehn Reitbegeisterten gingen mit Tatkraft und Engagement auf die Suche, und schon bald konnte die Gruppe die 40 Namen vorweisen.
Reiterpose im Schloßgarten

 

Bayer erteilte die Genehmigung, einen Werksverein zu gründen und sicherte die Zahlung eines monatlichen Zuschusses zu. Am 19. Dezember 1950 wurde der neue Verein mit einer Gründungsversammlung offiziell aus der Taufe gehoben. Zu den sieben Gründungsinitiatoren gehörten die Herren Baron von Lüttwitz, der als erfahrener Reiter und versierter Pferdekenner die sportliche Leitung übernahm, Dr. Helmerking, Dr. von Spulak, Menzel, Wilmans, Gustav Ahrens (Direktor im Photo Verkauf von Agfa), der zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde und Frau Gertrud Ehemann.

Inzwischen konnte für die Rösser eine Unterkunft gefunden werden: Von der Stadt Leverkusen mietete der Verein die ehemalige Schweinemastanstalt in Bürrig an. Einen großen Stall mit zersplitterten Fenstern, viel Schmutz, aber einem immerhin wasserundurchlässigen Dach als trockener Unterschlupf für die Pferde. Und los ging's auf dem Rücken der Pferde über Stock und Stein und die angrenzende Wiese. Der Mitgliederzuwachs war beachtlich: Bereits drei Monate später, im März 1951, zählte der Verein 70 Reitsportler, darunter zehn Damen, die sich gerne vom Baron als strengen, leistungsorientierten, aber den Damen stets zuvorkommenden Reitlehrer in die Kunst im Sattel einweisen ließen. Mit Feuereifer, Beharrlichkeit und gewinnender Liebenswürdigkeit ging der Baron daran, die anfangs bescheidenen Ausbildungsverhältnisse stetig zu verbessern. Nicht nur Pferde wie Grande, Alraune, Sternchen, Jäger, später hinzukommend Flocke oder die Fuchsstute Viola, die wie "Sturmwind" von Weltmeister Hans-Günter Winkler betreut und geritten wurde, bereicherten den Reitstall.
Märchenhaftes Domizil: Schloß Morsbroich
Auch der Umzug von der Schweinemastanstalt zum Schloss Morsbroich am 14. Juli 1951 trug zum raschen Wachsen des Bekanntheitsgrades und zur beginnenden Akzeptanz des Vereins bei.
 

Große Sprünge am Schloss 

Und jeder half mit: Mit Schaufeln und Spitzhacke "zauberten" die Mitglieder aus einer Distelwiese einen Reitplatz und schufen einen kleinen Springgarten. "Hier trafen wir uns in einer Jugendgruppe zum Spielen und Reiten, lernten vom Baron den Umgang mit und den Respekt vor den Pferden. Wir fühlten uns wie in einer Familie", erinnert sich Dr. Karl-Hermann Reissinger, der seit März 1951 dem Verein verbunden ist.

Die ersten Reiterspiele (dem Reiter ist nicht schlecht, er versucht nur, einen Apfel aus dem Mehl zu holen ...)


 

Schnell machte der Club unter der Obhut des Baronen-Ehepaares große Sprünge, nicht nur mit dem ersten Springpferd "Flocke".
Auch eine Dressur-, Voltigier- und Jugendgruppe komplettierten ab Mitte der Fünziger Jahre das breitgefächerte Angebot.

Zur ersten reiterlichen Vorführung des Gelernten lud der Verein bereits am 23. Oktober 1951 in den Morsbroicher Park ein. Der Anfang der später regelmäßig stattfindenden Reitfeste und -turniere war gemacht.
1955 war die Reiterschaft auf über 100 Mitglieder angewachsen, 16 Pferde standen im Stall, im Februar 1955 erschien die erste Ausgabe der Vereinszeitung "Der reitende Bote", Vorgänger der "trense".

Die ersten Voltigierer des Vereins.
Basis der heute starken und erfolgreichen Voltigierabteilung.

Um auch an Regen- und Wintertagen hoch zu Ross sitzen zu können, entstand Mitte der 50er Jahre der Wunsch nach einer eigenen Reithalle.
Und nachdem die Stadt Leverkusen dem Verkauf des Geländes an der Kastanienallee gegenüber von Schloss Morsbroich zugestimmt hatte und der Verein dank des Engagements von Generaldirektor Professor Dr. Ulrich Haberland das Grundstück von den Bayerwerken als Erbpacht übernehmen konnte, die finanzielle Unterstützung von Bayer und weiterer Leverkusener Firmen wie Wuppermann gesichert war, wurde Anfang 1957 mit dem Bau begonnen.
Bereits ein Jahr später nahmen die Reiterinnen und Reiter ihr neues, von dem Architekten Gerhard Motschmann entworfenes Domizil in Besitz.
Dann, am 26. Juli 1958, der große Tag: Mit einer festlichen Eröffnungsfeier wurde die 50 x 25 Meter große Halle, die damals zweitgrößte in Nordrhein-Westfalen, ihrer Bestimmung übergeben.
"Die Verbindung zwischen Mensch und Tier zu pflegen, sie vor allem für die Jugend in unserem technischen Zeitalter nicht verlorengehen zu lassen, das ist die Aufgabe des Bayer-Reitervereins und der Zweck der neuen Reithalle", betonte Vorsitzender Gustav Ahrens zu Beginn der Feierstunde.
Breitensport, das Steckenpferd der Reitgemeinschaft.

Ein Ziel, das auch nach der Fertigstellung des Übungs- und Springplatzes (Oktober 1959) sowie der Boxen und Stellplätze für 40 Pferde (29. Juli 1962) Geltung hatte.
Denn auch wenn bereits in den 50er Jahren einige Mitglieder dank der Reitschulung des Barons mit dem Gewinn der Vielseitigkeitsprüfungen bei den Rheinischen Städtemeisterschaften 1956 und bei einer Vielzahl von Turnieren auf erstklassigen Pferden so manche Lorbeeren erringen konnten, der Breitensport und die sportliche Freizeitgestaltung blieben stets das Steckenpferd des expandierenden Vereins.

Doch neben dem vortrefflichen Gedeihen des RV Bayer, unter anderem verbrachte auch der Fuchs-Wallach "Sonnenglanz", Gewinner des Europa-Championats der Springreiter von 1957 und Halbbruder der berühmten "Halla", seinen wohlverdienten Ruhestand in den Schloss-Stallungen von Morsbroich, blieb der Verein auch von Rückschlägen nicht verschont.
So verlor der Club 1963 mit dem Tod von Baron von Lüttwitz nicht nur seinen emsigen Reitlehrer und sportlichen Leiter und Betriebsleiter, sondern auch einen der wichtigsten Förderer und Integrationsfigur des Vereins. Zu allem Unglück vernichtete am 9. Juli 1969 ein Großfeuer das Stallgebäude des Bayer Reitervereins samt Heu- und Strohvorräten. Glück im Unglück: Mensch und Tier wurden nicht verletzt.
Und schon am 9./10. August des Jahres fand das nächste Vereinsturnier auf dem Gelände statt: Deutschlands Elite, in Morsbroich fest im Sattel. Solcherlei Engagement, Professionalität in allen Situationen verbunden mit hervorragenden Bedingungen in puncto Gelände und Ausbildung blieben auch der Öffentlichkeit bis weit über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus nicht verborgen.

Und so konnte der Verein im April 1975 bei seinem ersten nationalen Großturnier unter der Schirmherrschaft von Bayer-Vorstandsvorsitzendem Professor Dr. Herbert Grünewald die gesamte bundesdeutsche Elite der Dressurreiter, unter ihnen auch Weltmeister Dr. Reiner Klimke, begrüßen. Klimke fand denn auch lobende Worte für den Verein: "Hier herrscht eine hervorragende Atmosphäre, ich komme gerne wieder", so der Weltmeister.
Und bereits ein Jahr später machte er sein Versprechen wahr. Denn als Teilnehmer beim Sichtungsturnier der deutschen Dressurreiter für die Olympischen Sommerspiele in Montreal saß Klimke wie viele andere Spitzenathleten auch im Sattel und begeisterte die zahlreichen Besucher im Schlosspark von Morsbroich.
Endgültig festigen konnte der Bayer-Verein seinen Ruf als Top-Ausrichter für Großereignisse durch die gelungene Ausrichtung der 5. Dressur-Europameisterschaften der Junioren vom 18. bis 21. August 1977, die von 1500 Zuschauern besucht wurden und die den Sieg des bundesdeutschen Teams bejubeln konnten.

Veranstaltungen, die den Ende der 70er Jahre auf über 400 Mitglieder angewachsenen Verein mächtig auf Trab brachten: Neben dem Spring- und Dressurreiten sowie dem Voltigieren wurde auch das therapeutische Reiten kontinuierlich erweitert.
Reiterfeste, Herbstjagden und Reiterreisen in ferne Länder standen ebenfalls ständig auf dem Terminplan wie die zunehmende Zahl von Turnieren und Erfolgen.
1984 zählte der Club 550 Mitglieder sowie 36 vereinseigene und 17 Privatpferde, darunter auch "Roland", das erfolgreichste Bayer-Schulpferd. Der dunkelbraune Holsteiner erfuhr dann auch bereits zu Lebzeiten eine seltene Ehrung: Am 20. Juli 1986 setzte der Verein dem "besten Pferd im Stall" ein besonderes Denkmal und enthüllte eine Bronze-Plastik, die den damals 21-jährigen Vierbeiner mit einem Stockmaß von 60 Zentimetern zeigt.
Das von dem Leverkusener Künstler Kurt Arenz geschaffene Konterfei des Erfolgspferdes zierte jahrelang den Eingang der Reitanlage in Alkenrath und hat diesen Ehrenplatz auch auf der neuen Anlage am Kurtekotten wieder eingenommen. Die Reitanlage am Kurtekotten, ein Schmuckstück für den Pferdesport.

Denn kaum in Alkenrath installiert, machten neue Überlegungen eines Umzugs die Runde. Um den gestiegenen Anforderungen von Breiten- und Leistungssport für alle Mitglieder Rechnung zu tragen und der Enge der alten Räumlichkeiten zu entfliehen, strebte man an, die Ställe und die Reithalle in Alkenrath aufzugeben und nahe dem Paulinenhof in Köln-Flittard eine neue Reitanlage zu errichten. Bereits im Mai 1988 konnte auf der Jahreshauptversammlung ein Modell des neuen Domizils präsentiert werden.
Doch es dauerte noch einmal acht Jahre, bis nach Klärung aller Details, sämtlicher Behördengenehmigungen und konjunkturell bedingter Verschiebungen des Projektes am 3. August 1996 der erste Spatenstich am Kurtekotten das Ende des Alkenrather Geländes unwiderruflich einläutete.
Planmäßig gingen die Arbeiten voran, Richtfest feierte der Club am 23. Mai 1997. Auch nach einem Dachbrand kurz vor der Fertigstellung der neuen Anlage auf dem 7,5 Hektar großen Gelände hatte die Vereinsführung beim Fortgang der Arbeiten die Zügel fest in der Hand. Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 1997, waren alle Pferde des Vereins wieder vereint in den neuen Ställen auf der Reitanlage am Kurtekotten. Sieben Wochen später, am 28. November 1997, wurde die neue Anlage mit seinem Dressur- und Springplatz, zwei Reit-, einer Voltigier- und einer Gymnastikhalle sowie vier Stalltrakten mit jeweils 20 Boxen offiziell mit einem Programm der Extraklasse eingeweiht.

Dr. Reiner Klimke und Hans-Günter Winkler erläuterten im Rahmen des Abendprogramms die Ausbildung von Spring- und Dressurpferden. Dabei fühlte sich Winkler an gute alte Zeiten erinnert. "Bayer ist für mich ein Teil meiner beruflichen und sportlichen Heimat", gestand der ehemalige Bayer-Mitarbeiter, der einst auf seinem Pferd "Sonnenglanz" die erste Springeuropameisterschaft gewann.
Einen Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart schlug auch Vereinsvorsitzender Dr. Heinrich Alberts. "Wir sehen den Verein zwar an der Schwelle zu einem neuen Abschnitt in seiner Geschichte, in dem auch neben der Bayer AG zusätzliche Sponsoren gefunden werden sollen. Dennoch stehen die Ausbildung der Jugendlichen und die Förderung des Breitensports weiterhin an oberster Stelle", steckte er die Ziele ab.
Auch in Zukunft: Spitze in der Breite und breit in der Spitze.

Der Verein setzte dann die Anlage auch gleich in das rechte Licht mit einer Serie von Grand Prix Veranstaltungen von 1999 bis 2001. Überwältigende Anerkennung erhielten die Organisatoren aus profundem Munde für die Ausrichtung der Deutschen Dressur Gala, zu der die Weltelite in allen Jahren ein Stelldichein gab. Und wenn Baron Rochus von Lüttwitz diese Entwicklung heute sähe, würde er wahrscheinlich nur zwei Worte sagen: Einfach märchenhaft.

[Text: Gero Steinmetz]

Anm. der Red.: der Text wird in Kürze weiter bebildert

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